Veni creator spiritus – Pfingsthymnus

Der Hymnus „Veni creator spiritus“ ist ein alter lateinischer Hymnus zum Heiligen Geist aus dem 9. Jahrhundert und wurde vermutlich vom heiligen Hrabanus Maurus komponiert.

Entstehung, Bedeutung und Aufbau

Veni Creator SpiritusDer lateinische Hymnus „Veni creator spiritus“ (deutsche Übersetzung: „Komm, Schöpfer Geist“) stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde höchstwahrscheinlich von Rabanus Maurus verfasst. Eine These legt nahe, dass er zum Aachener Konzils von 809 verfasst wurde, um die Teilnehmenden programmatisch auf einen kaiserlichen Auftrag einzustimmen, um die theologische Zulässigkeit der Einfügung des „Filioque“ in das große Glaubensbekenntnis zu begründen. Sicher ist jedenfalls, dass der Hymnus im theologischen Umfeld dieses Konzils entstanden sein muss.

Dieser Hymnus gehört zu den spärlichen Gebeten in der westkirchlichen Liturgie, die dem Heiligen Geist gewidmet sind und findet schon seit dem 10. Jahrhundert im Stundengebet in den Tagen der Pfingstoktav (Woche nach dem Pfingsfest) Verwendung. Ab dem 11. Jahrhundert sang man ihn auch bei Synoden, Weihen und Ordinationen.

Vom Aufbau her hat der Hymnus sieben Strophen im ambrosianischen Typus verfasst und verfügt über Ähnlichkeiten mit dem Hymnus Ave maris stella. In der ersten Strophe wird als Einleitung des ganzen Hymnus um die charismatische Gegenwart des Geistes gebeten. Die Strophen eins bis sechs richten sich mit der Anrede an den Heiligen Geist, wohingegen die siebente Strophe eine Doxologie an die gesamte Trinität beinhaltet. Die einzelnen Strophen spielen dabei auf die sieben Gaben des Heiligen Geistes an, ohne diese zu konkret zu nennen und in umgekehrter Reihenfolge zu Jesaja 11,2–3. In einigen überlieferten Fassungen ist die ursprüngliche siebente Strophe entfallen oder durch eine dichterisch kaum noch mit dem Rest des Hymnus verknüpfte Doxologie ersetzt worden.

Die älteste gregorianische Melodie zu diesem Hymnus stammt aus dem Jahr 1000 und ist in Kempten bezeugt.

Veni creator spiritus als Text

Veni Creator Spiritus - Noten

Veni Creator Spiritus – Noten

Seit dem 12. Jahrhundert wurde der Hymnus mehrfach in die deutsche Sprache übersetzt. Er gilt dabei als einer der am häufigsten übersetzten Hymnen des deutschen Mittelalters. Am weitesten verbreitet ist die deutsche Fassung von Martin Luther (hat in der Reihenfolge die dritte mit der vierten Strophe vertauscht) und Heinrich Bone.

Latein:

Der komplette Hymnus „Veni creator spiritus“ auf Latein …

  1. Veni, Creator Spiritus, mentes tuorum visita, imple superna gratia, quae tu creasti pectora.
  2. Qui diceris Paraclitus, donum Dei altissimi, fons vivus, ignis, caritas et spiritalis unctio.
  3. Tu septiformis munere, dextrae Dei tu digitus, Tu rite promissum Patris sermone ditans guttura.
  4. Accende lumen sensibus, infunde amorem cordibus, infirma nostri corporis virtute firmans perpeti.
  5. Hostem repellas longius pacemque dones protinus: ductore sic te praevio vitemus omne noxium.
  6. Per te sciamus, da, Patrem, noscamus atque Filium, te utriusque Spiritum credamus omni tempore.
  7. Deo Patri sit gloria et Filio, qui a mortuis surrexit, ac Paraclito in saeculorum saecula. Amen.

Deutsch:

Die deutsche Übersetzung des Hymnus von Heinrich Bone (1847) …

  1. Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein, besuch das Herz der Kinder dein: Die deine Macht erschaffen hat, erfülle nun mit deiner Gnad.
  2. Der du der Tröster wirst genannt, vom höchsten Gott ein Gnadenpfand, du Lebensbrunn, Licht, Lieb und Glut, der Seele Salbung, höchstes Gut.
  3. O Schatz, der siebenfältig ziert, o Finger Gottes, der uns führt, Geschenk, vom Vater zugesagt, du, der die Zungen reden macht.
  4. Zünd an in uns des Lichtes Schein, gieß Liebe in die Herzen ein, stärk unsres Leibs Gebrechlichkeit mit deiner Kraft zu jeder Zeit.
  5. Treib weit von uns des Feinds Gewalt, in deinem Frieden uns erhalt, dass wir, geführt von deinem Licht, in Sünd und Elend fallen nicht.
  6. Gib, dass durch dich den Vater wir und auch den Sohn erkennen hier und dass als Geist von beiden dich wir allzeit glauben festiglich.
  7. Dem Vater Lob im höchsten Thron und seinem auferstandnen Sohn, dem Tröster auch sei Lob geweiht jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.

Brauchtum und Tradition in der Liturgie

Seit dem 10. Jahrhundert wird der im Stundengebet während der Pfingstoktav verwendet. Oft wird er zudem bei Synoden, Weihen und Ordinationen sowie zum feierlichen Einzug der Kardinäle ins Konklave gesungen.

Im Gotteslob finden sich die lateinische Version des Hymnus unter der Nummer 341 (altes GL: 240) und die deutschen Übertragungen von Heinrich Bone aus dem Jahr 1847 („Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein“) unter Nummer 351 (altes GL: 245) sowie von Friedrich Dörr aus dem Jahr 1969 („Komm, Heilger Geist, der Leben schafft“) unter Nr. 342 (altes GL: 241).

Hörbeispiel zum Hymnus

Der Hymnus „Veni creator spiritus“ zum Anhören:

Gute Anregungen für Präsente zu Pfingsten bietet übrigens der folgende Beitrag: Geschenke fürs Pfingstfest.

Quellen:

Das Fest Maria Heimsuchung …

Jährlich am 2. Juli bzw. dem 31. Mai begeht die Kirche das Fest Mariä Heimsuchung (auch Marä Heimsuchung, auf lateinisch: Visitatio Mariae), an dem in besonderer Weise einer Episode aus dem Lukasevangelium (LK 1,39) gedacht wird, als Maria ihre Verwandte Elisabeth besucht.

Bedeutung von Maria Heimsuchung …

Maria Heimsuchung

Begegnung zwischen Elisabeth und Maria

Als biblischen Hintegrund für dieses Fest gilt der lukanische Bericht (Lk 1,39-45) über den Besuch Marias bei ihrer Verwandten Elisabeth (deshalb „Heimsuchung“). Als die schwangere Elisabeth den Gruß von Maria hört, „hüpft das Kind in ihrem Leibe“. Elisabeth, die selbst im sechsten Monat schwanger, grüßt sie darauf mit folgenden Worten: „Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Auf diese Seligpreisung der Elisabeth hin, antwortet Maria mit ihrem berühmten Lobgesang, dem Magnificat (Lk 1,46-55). Somit wird in der Begegnung der beiden schwangeren Frauen bereits die Begegnung des zukünftigen Erlösers (Jesus Christus) mit dessen Vorboten und Wegbereiter (Johannes der Täufer) vorweggenommen.

Ursprung und Entwicklung des Festes …

Dieses Marienfest hat seinen Ursprung bereits im Mittelalter. Hier wurde es im Jahr 1263 vom Ordensgeneral der Franziskaner, dem heiligen Bonaventura für seinen Orden eingeführt. Der ursprüngliche Termin für Maria Heimsuchung war der 2. Juli und hängt mit dem Geburtsfest Johannes des Täufers zusammen, dessen Oktav es bildet. Infolge des schnellen Wachstums des Franziskanerordens verbreitete sich das Fest in der gesamten Westkirche. Unter Papst Pius V. wurde der Festtag offiziell um die Jahre 1568/70 für den 2. Juli in den römischen Kalender aufgenommen. Im Zuge der nachkonziliaren Liturgiereform wurde das Fest in den 1960iger Jahren auf den 31. Mai verschoben und bildet heute den Abschluss für den Marienmonat Mai. Diese Verschiebung hatte ihren Grund in der Chronologie von Verkündigung (25. März), Heimsuchung und Geburt (24. Juni), welche man auf diese Weise erreichen wollte. Allerdings findet sich Maria Heimsuchung im deutsche Regionalkalender weiterhin am 2. Juli, weshalb bspw. im Marienwallfahrtsort Werl weiterhin am 2. Juli das Patronatsfest der Wallfahrtsbasilika gefeiert wird.

Eine Vielzahl an Büchern & Devotionalien zur Gottesmutter Maria finden Sie im Vivat!-Shop.

Quelle:

  • Bieritz, Karl-Heinrich: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart; Berlin 1986, 210f.

Ave Regina Caelorum – marianische Antiphon

Das „Ave Regina Caelorum“ ist eine marianische Antiphon, die nach alter kirchlicher Tradition im Stundengebet in der Fastenzeit im Anschluss an die Vesper oder Komplet gesungen wird.

Entstehung und Bedeutung

Das „Ave Regina caelorum“ (zu deutsch: Ave, du Himmelskönigin) ist der Name einer marianischen Antiphon und ist nach den ersten drei Worten des lateinischen Textes betitelt. Im Stundengebet der katholischen Kirche wird sie in der Fastenzeit entweder nach der Vesper oder aber nach der Komplet gesungen. Im Mittellatein ist häufig die Schreibweise „Ave Regina coelorum“ verbreitet. Entstanden ist der Text dieser Antiphon wohl um 1100, die gregorianische Melodie hingegen erst im im Verlauf des 17. Jahrhunderts.

Ave Regina Caelorum als Text

Latein:

Ave Regina Caelorum

Maria als Himmelskönigin

Der komplette Hymnus „Ave Regina Caelorum“ auf Latein …

Ave Regina caelorum,
ave Domina Angelorum:
Salve radix, salve porta,
ex qua mundo lux est orta:
Gaude Virgo gloriosa,
super omnes speciosa:
Vale o valde decora,
et pro nobis Christum exora.

Deutsch:

Die deutsche Übersetzung der Antiphon …

Ave, du Himmelskönigin,
ave, der Engel Herrscherin.
Wurzel, der das Heil entsprossen,
Tür, die uns das Licht erschlossen:
Freu dich, Jungfrau voll der Ehre,
über allen Sel’gen hehre,
sei gegrüßt, des Himmels Krone,
bitt’ für uns bei deinem Sohne.

Brauchtum und Tradition in der Liturgie

Die Antiphon beschließt im katholischen Stundengebet während der gesamten Fastenzeit entweder die Vesper oder aber die Komplet.

Der lateinische Hymnus findet sich im Gotteslob unter der Nummer 666,2 (GLalt 579).

Hörbeispiel zur marianischen Antiphon

Der Hymnus „Ave Regina Caelorum“ zum Anhören:

Quellen:

Salve Regina – marianische Antiphon

Das „Salve Regina“ ist eine marianische Antiphon, die nach alter kirchlicher Tradition im Stundengebet (im normalen Jahreskreis) im Anschluss an die Vesper oder Komplet gesungen wird.

Entstehung und Bedeutung

Das „Salve Regina“ (zu deutsch: „Gegrüßet seist du, Königin“) ist der Name einer marianischen Antiphon  und ist nach den ersten beiden Worten des lateinischen Textes betitelt. Im Stundengebet der katholischen Kirche wird sie in der Zeit des normalen Jahreskreises (also nicht in der Fastenzeit und im Oster– bzw. Weihnachtsfestkreis) entweder nach der Vesper oder aber nach der Komplet gesungen. Als Verfasser des Textes gilt Hermannus Contractus (Hermann der Lahme, 1013-1054), einem Benediktiner der Abtei Reichenau, wobei die letzten Anrufungen des Gebets (o clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria) vermutlich ein späterer Zusatz sind, die der heilige Bernhard von Clairvaux angefügt haben soll.

Die gregorianische Singweise des Salve Regina ist im Graduale Romanum verzeichnet. In den Klöstern und Gemeinden wird am häufigsten die Melodie des belgischen Barockkomponisten Henri Dumont (1610–1684) gesungen, die im Gotteslob unter Nr. 666, 4 (GLalt 570) zu finden ist. Als Anfangsmotiv steht der Dur-Dreiklang mit der Sexte, der auch eine häufige Geläutedispositionist, die oft Salve-Regina-Geläut bezeichnet wird.

Salve Regina als Text

Latein:

Salve Regina

Maria Himmelskönigin

Der komplette Hymnus „Salve Regina“ auf Latein …

Salve, Regina, mater misericordiae,
vita, dulcedo, et spes nostra, salve.
Ad te clamamus exsules filii Evae.
Ad te suspiramus,
gementes et flentes in hac lacrimarum valle.
Eia, ergo, advocata nostra,
illos tuos misericordes oculos ad nos converte.
Et Jesum, benedictum fructum ventris tui,
nobis post hoc exsilium ostende.
O clemens, O pia, O dulcis Virgo Maria. Amen.

Deutsch:

Die deutsche Übersetzung der Antiphon …

Sei gegrüßt, o Königin,
Mutter der Barmherzigkeit,
unser Leben, uns’re Wonne
und uns’re Hoffnung, sei gegrüßt.
Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas,
zu dir seufzen wir
trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
Wohlan denn, uns’re Fürsprecherin,
wende deine barmherzigen Augen uns zu,
und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
die gebenedeite Frucht deines Leibes.
O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

 

Brauchtum und Tradition in der Liturgie

Die Antiphon beschließt im katholischen Stundengebet vom Dreifaltigkeitssonntag bis zum Ende des Kirchenjahres (Christkönig) entweder die Vesper oder aber die Komplet.

In etlichen Gegenden ist es zudem Tradition, das Salve Regina auch beim Begräbnis eines Priesters oder einer anderen Person des geweihten Lebens am Grab zu singen.

Der lateinische Hymnus findet sich im Gotteslob unter der Nummer 666,4 (GLalt 570). Die bekannteste deutsche Übertragung des „Salve Regina“ ist jene mit der Melodie von Heinrich Rohr, die im alten Gotteslob von 1975 unter Nummer 571 abgedruckt ist.

Hörbeispiel zur marianischen Antiphon

Der Hymnus „Salve Regina“ zum Anhören:

Quellen: